Zingst, 11.September
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Für den Nachmittag ist ein Rundflug über den Darß geplant, aber bisher sieht das Wetter noch nicht so viel versprechend aus.
Aber, siehe da, Christopherus, der Schutzpatron der Reisenden, scheint mit uns zu sein. Der Himmel strahlt in seinem schönsten Blau und nur am Firmament türmen sich die Wolken, als wollten sie ein Gebirgsmassiv darstellen. Ein großartiger Anblick!
In der Abfertigungshalle des Barther Sport-Flughafens, der im kommenden Jahr erneuert werden soll, schlägt mir ein alt vertrauter Geruch von DDR-Putzmitteln in die Nase und vor der Flugaufsichtsbaracke läuft mutterseelenallein ein herrenloser, benzinbetriebener Rasenmäher. Ist das ein gutes Ohmen? Der Flugkapitän wirkt bei der ersten Begegnung etwas einsilbig, was sich aber sehr schnell ändert, als er sich in seinem Element befindet:
Über den Wolken
Theodor fällt der Abschied diesmal besonders schwer. „Papa, Papa, Papa!“ höre ich ihn trotz des dröhnenden Motors rufen. Mir treten ein wenig die Tränen in die Augen und ein kurzer Gedanke der Vergänglichkeit drückt mein Gemüt. Nichts kann bleiben wie es ist und in
600 m Höhe, dem Himmel so nah, wird es mir so augenscheinlich demonstriert, dass es mir die Sprache verschlägt.
Alles ist in ständiger Bewegung. Der Leuchtturm, der zur Zeit seiner Erbauung, den Seefahrern die Spitze des Darß weisen sollte, steht nunmehr fast 10 Km weiter hinten und somit in der Hälfte der Strecke von Zingst bis zur Spitze. Immer weiter gräbt sich das Meer in den Weststrand hinein und spült den Sand an die Spitze der Halbinsel.
Fast wie Jahresringe wirken die Vegetationen aus dieser Distanz. „Die Insel Hiddensee scheint sich mit Rügen vereinen zu wollen und wäre nicht die Fahrrinne dazwischen, hätte sie dies vielleicht auch schon getan,“ bemerkt „Onkel Georg“, wie unser Fotograf heute Nachmittag von Theo getauft wurde.
„Nie im Leben!“ ruft der Flugkapitän in der Bemühung das Propellergeräusch zu übertönen, „da würden sich die Hiddenseer sofort mit einem Spaten bewaffnen um ihre Insel aus diesen sandigen Fängen zu befrei`n!“
Er ist früher für die Landwirtschaft geflogen, berichtet er. 10 bis 15 Einsätze am Tag. Das heißt 10 bis 15 Mal starten und landen, die risikoreichsten Manöver beim Fliegen. Auf dem Rückflug geraten wir in leichte Turbulenzen. Bewölkung und Gegenwind – aber unser Pilot steuert die Cessna souverän mit einer Hand. Als er behauptet, die Maschine würde ohnehin von alleine fliegen und ich dieses bezweifle, darf ich sogar mal selbst Hand anlegen. Ich hätte gern mal einen Sturzflug probiert, aber mein Vater und Onkel Georg, die mich auf diesem Flug begleiten lehnen dankend ab. Die Landung war butterweich, was aber, wie ich heute lerne, selbst für geschulte Piloten auch immer wieder ein bisschen Glückssache ist, auf Grund der unberechenbaren Seitenwinde. Ich bin dann doch auch wieder ganz froh, festen Boden unter den Füßen zu spüren und meine Liebsten in die Arme zu schließen. Theo hat, wie mir Paula berichtet, wohl 100 Mal nach Papa gerufen und bisweilen gen Himmel gezeigt.
